08.04.2019

Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau

 

Bild: Historisches Foto des Häftlingslagereingangs  (Bildquelle)

 

Eindrücke aus der KZ-Gedenkstätte Dachau

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts haben wir, die beiden neunten Klassen des Lise-Meitner-Gymnasiums in Böblingen, die Exkursion zur KZ-Gedenkstätte Dachau vorbereitet, geplant und durchgeführt. Im folgenden Text möchten wir ein paar Eindrücke festhalten.

Auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte nahmen wir an einem geführten Rundgang teil, sodass wir Fragen stellen konnten und uns einzelne Details genauer erläutert wurden. Angefangen haben wir die Führung am Jourhaus, dem Dienstgebäude der SS, wo sich auch eine Replik des Lagertores mit der Inschrift – „Arbeit macht frei“ befindet. Weiter ging es über den Appellplatz, der großen Eindruck hinterließ, nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch wegen dem Gedanken daran hier stundenlang zu stehen. Dieses Gefühl wurde noch durch das Wetter und die niedrigen Temperaturen verstärkt, denn obwohl wir alle Jacken trugen und keine dünne Sträflingsuniform war es recht kühl. Wir setzten unseren Weg fort, über das Internationale Mahnmal in das sogenannte Wirtschaftshaus, das 1938 von Häftlingen errichtet wurde und den Schriftzug "Es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine heißen: Gehorsam, Ehrlichkeit, Sauberkeit, Nüchternheit, Fleiß, Ordnung, Opfersinn, Wahrhaftigkeit und Liebe zum Vaterland." auf dem Dach trug. Dieser Satz hinterließ Eindruck, weil er verdeutlicht, wie die Nazis mit den Inhaftierten umgingen und wie sie sie verhöhnten. Im Wirtschaftsgebäude selbst wurde uns vor allem der Einlieferungsprozess genauer erläutert, wie die Gefangenen von Menschen zu Häftlingen wurden. Es muss schrecklich gewesen sein, wie einem schrittweise alles aberkannt wurde, der Name wurde durch eine Nummer ersetzt, die eigene Kleidung durch die Sträflingsuniform und selbst die Haare wurden einem damals genommen. Es liegt nur noch ein Bruchteil des Schreckens über diesen Räumen, nicht mehr als ein dunkler Schatten, aber er ist immer noch deutlich wahrnehmbar. Das Häftlingsbad sieht dagegen sogar etwas zu freundlich aus, es ist hell und sauber, hier erinnert nur wenig an das Leid, das von diesem Raum ausging. Nach dem Häftlingsbad wird uns ein Film gezeigt, den die Amerikaner nach der Befreiung gedreht haben, wir werden vorgewarnt, trotzdem sind die Bilder schockierend, Leichen, die so ausgemergelt sind, dass sie mehr Skeletten als Menschen ähneln, Menschen, die ebenso dünn sind und so schmutzig, dass man Schwierigkeiten hat ihre Gesichtszüge zu erkennen. Auch dieser Film hat Eindruck hinterlassen, wir werden ihn sicher nicht so schnell vergessen. Nach dem Wirtschaftsgebäude gehen wir zu den beiden Modellbaracken, schauen uns die Schlafräume an. Der erste Eindruck täuscht, es sieht ja gar nicht so schlimm aus, hier stehen ja sogar richtige Betten, aber man muss genauer hinsehen, beachten, dass in diesen Räumen manchmal weit über hundert Menschen waren und, dass teilweise mehrere Häftlinge in einem Bett schlafen mussten, weil das Lager gnadenlos überbelegt wurde. Die Toiletten in den Baracken sind viel zu wenige, dass sieht man auf den ersten Blick, selbst wenn das Lager nicht überbelegt worden wäre, wären es nicht ausreichend. Nach den Baracken geht die Führung weiter die Lagerstraße hinunter zu den religiösen Gedenkorten. Auf Wunsch schauen wir einmal in das jüdische Bauwerk hinein, es ist dunkel, sowohl von innen, als auch von außen, aus schwarzem Stein errichtet. Die Stimmung, die es vermittelt passt zum ganzen Ort, irgendwie bedrückend. Zum Abschluss unserer Runde wenden wir unsere Schritte nun der Gaskammer und dem Krematorium zu. Dieser Ort ist wie ein Friedhof angelegt, man bewegt sich instinktiv leiser und irgendwie bedachter. Bevor wir eintreten wird uns das Schicksal der zu Tode verurteilten erklärt, uns wird erklärt warum über der Gaskammer Brausebad steht. Dann dürfen wir selbst hinein, wir betreten die Räume in derselben Reihenfolge, in der es die Häftlinge getan haben müssen, nur dass wir wieder aus dem Gebäude treten werden. Der Warteraum ist leer, unauffällig. In der eigentlichen Gaskammer ist die Decke sehr niedrig, sie scheint einen zu zerdrücken wollen. Die Türschwelle knarzt und stört die Stille im Raum, wenn man darauf tritt. Ansonsten ist es still geworden, jeder ist bei sich hier in diesem Raum der Toten. Das Krematorium hat eine ganz andere Wirkung, war man im anderen Raum noch vollkommen in Gedanken und im Gedenken scheint die Ermordung dieser Menschen beim Anblick der Öfen viel absoluter und viel endgültiger zu werden. Das Krematorium war die letzte Station auf unserem Weg durch die Gedenkstätte Dachau, es war ein anspruchsvoller Weg, nicht physisch, aber emotional.

Wir waren ungefähr zweieinhalb Stunden auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau, aber auch danach haben wir noch vieles, worüber wir nachdenken können und auch sollten. Wir sind die neue Generation und wir tragen die Verantwortung für die Zukunft, wir stehen in der Pflicht zu verhindern, dass so ein Verbrechen an der Menschlichkeit jemals wieder geschieht.

Hinweis der Redaktion: Die Fahrt zur Gedenkstätte wurde aus Mitteln des Landesjugendplans gefördert.

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